Die in Deutschland einst vorherrschende Gründerstimmung ist auf einem vorläufigen Tiefpunkt angelangt. Laut einer Erhebung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) haben 2012 so wenige Menschen den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt wie noch nie seit dem Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2000. Gerade einmal 1,5 Prozent der Bevölkerung im relevanten Alter von 18 bis 65 Jahren hat sich im vergangenen Jahr für die Realisierung eines Gründungsvorhabens entschieden. Diese Fakten werfen insbesondere die Frage auf: Wo sind die jungen, gut ausgebildeten Gründungswilligen? Die Antwort liegt auf der Hand.

Insbesondere Dir, als Angehörigem dieser Gruppe, bietet der bestehende Arbeitsmarkt vielfältige Möglichkeiten für eine erfolgreiche Karriere. Ein weiterer Grund ist, dass Gründungszuschüsse nur noch spärlich und selektiv gewährt werden.

Entwicklung bei den Existenzgründungen erreichte 2012 den vorläufigen Tiefpunkt

In nackten Zahlen ausgedrückt bedeutet dies: In 2012 entschieden sich gerade einmal 350.000 Personen dafür, ihr eigener Boss (Voll-Erwerb) zu werden. Damit setzt sich die seit etwa 2004 anhaltende rückläufige Entwicklung in Bezug auf Existenzgründungen in Deutschland weiter fort. Laut Angaben des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn (IfM Bonn) zeigen sich nur die Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg unbeeindruckt in Bezug auf diese allgemeine Entwicklung. Hier wird die höchste Gründungsaktivität in Deutschland generiert.

Das liegt in erster Linie an den Agglomerationseffekten rund um geringe Transportkosten und nahe Wege bei großen und vielfältigen lokalen Absatzmärkten, die diese Ballungsräume charakterisieren. Ein nicht unwesentlicher Grund ist zudem die Anziehungskraft, die Metropolen auf junge Akademiker und Absolventen ausüben.

Selbstständige: Oftmals stimmt das Verhältnis zwischen Leistung und Einkommen nicht

Die Ursachen für die Gründungszurückhaltung im übrigen Deutschland sind breit gestreut. Wenn Du Dir in diesem Zusammenhang die Einkommen verschiedener Gruppen von Selbstständigen bzw. Firmengründern anschaust, wird klar, wo der Schuh sprichwörtlich drückt. Inzwischen werden nämlich nicht mehr vorwiegend Firmengründungen im Handwerk-, Gastronomie- oder auch Industriebereich realisiert. Stattdessen sind rund 57 Prozent innerhalb der Gruppe der Selbstständigen so bezeichnete Solo-Selbstständige oder Einzelunternehmer bzw. Freiberufler, die bevorzugt in den künstlerischen und pflegerischen Berufen arbeiten. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung gesteht diesem Personenkreis in entsprechenden Studien zwar durchschnittlich eine bessere Qualifikation und einen höheren Bildungsstand zu, aber in Bezug auf das Einkommen wird hier eine deutliche Diskrepanz spürbar. Im Grunde genommen müsste über ein Drittel dieser oftmals akademischen Spezies eigentlich dem Niedriglohnsektor zugerechnet werden. Dieses mittlerweile offenkundige Missverhältnis zwischen Leistung und Bezahlung lässt natürlich potenzielle Gründungswillige vor dem Gang in die Selbstständigkeit zurückschrecken.

Bremse für Gründungsvorhaben: Maue Konjunkturaussichten und sinkende Arbeitslosenzahlen

Zudem entpuppt sich die momentan vorherrschende Wirtschaftslage als reines Gift für Firmengründer. Obwohl die Konjunkturaussichten eher als mau zu bezeichnen sind, sinkt zeitgleich die Arbeitslosigkeit. Diese Konstellation lässt quasi ein Paradoxon entstehen: Wenn Du nämlich bereits über einen sicheren Arbeitsplatz verfügst oder einen adäquat bezahlten Job in Aussicht hast, musst Du nicht aus der Not oder der beruflichen Ungewissheit heraus den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Auf der anderen Seite mangelt es vielen jungen Menschen aufgrund der fehlenden Konjunkturimpulse an Mut, eine Firma zu gründen. Weiterhin war es offenbar seit Jahren nicht mehr so einfach für einen Akademiker, einen gut bezahlten Job im festen Beschäftigungsverhältnis zu ergattern. Musstest Du früher für einen adäquaten Job mit zahlreichen Mitbewerbern in Konkurrenz treten, so begeben sich heute die Unternehmen selber auf die Suche nach qualifiziertem Personal. Insbesondere frisch von der Uni gekommene Berufseinsteiger ziehen gut bezahlte Jobs in Konzernen oder Unternehmen vor, da diese Aufstiegsmöglichkeiten, berufliche Sicherheit und ein hohes Gehalt gegenüber der Unsicherheit und Ungewissheit einer Existenzgründung bieten.

Die Work-Life-Balance muss stimmen

Auswertungen der KfW-Bankengruppe ergaben, dass die Hemmschwelle in Bezug auf Gründungsvorhaben eindeutig gestiegen ist. Demnach mangelt es gerade bei jungen Leuten an entsprechendem Mut zum Risiko. Der Verzicht auf die Gründung eines eigenen Unternehmens trotz oftmals erfolgversprechender Ideen bzw. Geschäftsmodelle ist dabei fast immer Ausdruck der Angst vor der finanziellen Überschuldung und dem sozialen Abstieg. Schließlich mussten alleine 2012 fast 27.000 Betriebe Insolvenz anmelden. Diesbezüglich werde ein Scheitern eines Gründungsvorhabens bzw. der Selbstständigkeit in Deutschland immer noch stigmatisiert. Allerdings greife die These zu kurz, dass es den jungen Studenten an Erfolgshunger und Leidenschaft fehlt und Sie eine zu zeitaufwendige Freizeitgestaltung pflegen. Stattdessen entscheiden sich die akademischen Berufseinsteiger nicht zuletzt aufgrund der guten Arbeitsmarktsituation für die sichere Variante als Arbeitnehmer. Des Weiteren darfst Du in der heutigen Zeit nicht den Stellenwert der Freizeit unterschätzen, wobei gerade der Begriffsbildung Work-Life-Balance eine entscheidende Bedeutung zukommt. Ein Gleichgewicht zwischen Freizeitaktivitäten respektive Privatleben und beruflichen

Anforderungen sowie Pflichten wie die arbeitsintensive Verwaltung von Dokumenten ist dabei aber nur schwer als selbstständiger Unternehmer oder Freiberufler zu realisieren. Auf der anderen Seite fördern gerade große und modern denkende Unternehmen die Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter und bieten zunehmend ausreichend Flexibilität und Freiraum an.

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