Schülerinnen und Studentinnen kehren der Technik weiterhin den Rücken: Weniger als ein Viertel der Studierenden in Informatik-Studiengängen sind weiblich – und überdurschnittlich viele dieser Minderheit brechen noch im Bachelor ab. Das zeigt der Bericht des Gender- und Frauenforschungszentrums der Hessischen Hochschulen im Gendermonitor zu Abbruchquoten von Studierenden.

Der fehlende weibliche Nachwuchs lässt nicht darauf hoffen, dass sich in naher Zukunft das Mann-Frau-Verhältnis in den IT-Abteilungen ändern wird. Dabei ist es gerade diese Diversität, die Teams in jedem Fachbereich und jeder Branche erfolgreich macht. Immer mehr Manager klagen darüber, dass ihnen die weibliche Perspektive fehlt.

Interessant ist, dass vor allem namhafte Technologieunternehmen wie Deutsche Telekom AG, Hewlett Packard GmbH und Intel Frauen offenbar als wertvollen Faktor für die Zukunft ihres Unternehmens erkannt haben. Auf dem Frauen-Karriere-Index belegen sie die vorderen Plätze und zeichnen sich dort durch ihre besonderen Bemühungen aus, qualifizierte Frauen zu gewinnen.

Interessant ist außerdem, dass Frauen eigentlich bereits viel zum digitalen Wandel zur Wissensgesellschaft beitragen. Sie legen häufiger das Abitur ab und der Frauenanteil an den Absolventen übertrifft den der Männer. Allerdings gilt das immer noch nicht für technische Studienfächer – und hier insbesondere nicht für Informatik.

Die Situation ist mittlerweile so eindeutig, dass auch der Bund nach Wegen sucht, den Frauenanteil in der Informatik zu erhöhen. Deswegen fördert das BMBF Projekte wie FRUIT. Das vom CHE geführte Projekt hat das Ziel, aussagekräftige Maßnahmen und Empfehlungen für die Hochschulen zu entwickeln, um Informatikstudiengänge attraktiver für die Studentinnen zu machen.

Auf der einen Seite suchen Arbeitgeber händeringend nach Informatikerinnen, um ihre Teams vielfältiger zu gestalten, auf der anderen Seite verpassen Frauen ihre Chance im digitalen Wandel mitzumischen. Was aber kann dafür getan werden, die Diversity in den IT-Abteilungen von morgen zu steigern? Und wie können Studentinnen dazu motiviert werden, ihr Studium erfolgreich zu beenden?

Eine Möglichkeit: Female Tech Talents. Das Stipendium ist das erste IT-Stipendium in Deutschland nur für Frauen. Es richtet sich an Studentinnen und Absolventinnen, die sich für die Tech Branche begeistern. Studentinnen werden hierbei kurzfristig finanziell gefördert und ihre Netzwerke langfristig durch Mentoring und Coaching gezielt aufgebaut. Mit dabei sind EDITION F, Digital Media Women, Digitalisierung-Jetzt, SheWorks! und t3n.

Warum nur für Frauen? Eine Studie von mystipendium zeigt, dass Frauen bei der Vergabe von Stipendien benachteiligt sind. “In einer Branche, in der Frauen unterrepräsentiert sind und sich vielfach alleine in einem Raum mit Männer wieder finden, sollten sich Frauen auch wertgeschätzt fühlen, sonst verlieren wir auch die wenigen, die wir haben”, findet Rebekka Daubenberger, Projektleiterin des Stipendiums.

Die monatliche Förderung in Höhe von 250 Euro soll im ersten Schritt finanzielle Unterstützung bieten. So sollen die ITlerinnen sich auf ihre persönlichen Ziele konzentrieren können, eigene Ideen entwickeln und diese umsetzen. Starten können sie beispielsweise mit den Raspberry Pis, die unter allen Bewerberinnen verlost werden.

Durch zusätzliche Weiterentwicklungs- und Netzwerkmöglichkeiten sollen die Stipendiatinnen im zweiten Schritt auch langfristig von Female Tech Talents profitieren. Hier setzt die FEMALE FUTURE FORCE, das digitale Coaching-Programm von EDITION F, an. Es bietet den Stipendiatinnen über zwölf Monate hinweg Zugang zu Online-Kursen mit Themen wie Kommunikation, Finanzen, Führungskompetenzen und Kreativität.

Das Jahresabonnement des t3n Magazins gibt darüber hinaus Einblicke in aktuelle Entwicklungen und Trends der Digitalwirtschaft. Bereits erfolgreiche und etablierte Mentorinnen aus den Reihen der Digital Media Women beantworten individuelle Fragen der Stipendiatinnen und stehen ihnen beratend zur Seite.

Die Bewerberinnen haben idealerweise Erfahrungen in IT-Projekten – ein Informatik-Studium ist dabei nicht zwingende Voraussetzung. Auch Fähigkeiten, die nicht im Rahmen der Hochschule erlernt werden, werden ausgezeichnet. Hier zählen vor allem Zukunftsvision und Eigeninitiative. Kenntnisse in gängigen Programmiersprachen, Entwicklung und Architektur sowie in Analytics & Data Mining, IT-Sicherheit, IT-Operations sind von Vorteil.

ein Gastbeitrag der Campusjäger

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